Anleitung zur Aussaat von Gemüse

Auf dieser Seite gibt es allgemeine Informationen zur Aussaat. Details zu den einzelnen Gemüsearten finden sich auf den Aussaat Seiten unter Gemüse A-Z.

Wie und warum Gemüse vorziehen?

Unser Gemüsebeet können wir auf zweierlei Weise bestücken:

  • Wir pflanzen junge Gemüsepflänzchen ins Beet. Diese können wir kaufen oder selber heranziehen.
  • Wir verteilen Samen direkt auf dem Beet.

Wer sich vom Frühjahr bis zum Herbst mit Gemüse selbst versorgen will, wird sich sein Gemüse zum großen Teil selber aus Samen heranziehen müssen, da Jungpflanzen fast ausschließlich im Frühjahr angeboten werden. Die eigene Anzucht bringt aber noch weitere Vorteile: Die Sortenvielfalt ist wesentlich größer, und die selbst gezogenen Jungpflanzen sind robuster und billiger. 

Bevor wir uns an die Arbeit machen, sollten wir uns einmal anschauen, wie Pflanzen für ihre eigene Arterhaltung bzw. Vermehrung sorgen: Sie setzen Unmengen, d.h. mehrere Hundert Samen an. Soviel ist nötig, um sich in freier Wildbahn erhalten zu können! Wer einfach nur Samen verstreuen will, wird in der Regel also nichts ernten. Vielleicht würde bei 10 Samentütchen ein Salatkopf wachsen. Für Jungpflanzen gilt umso mehr, was für Gemüse immer gilt: Damit die Pflänzchen überhaupt eine Chance haben, müssen wir für ein kleines Paradies sorgen.

Praxis Gemüse vorziehen

Oftmals gedeiht Gemüse besser, wenn es die ersten Wochen seines Lebens in einer geschützten Umgebung unter kontrollierten Bedingungen Im (Gewächs-) Haus oder auf einem geschützten Balkon verbringt:

  • Für die richtige Keimtemperatur ist gesorgt.
  • Die Erde ist optimal auf die Bedürfnisse der zarten Jungpflanzen abgestimmt.
  • Schnecken und andere Schädlinge können komplett ferngehalten werden.

Robuste Jungpflanzen können sich in der Natur wesentlich besser behaupten als die zarten Sämlinge. Für kleine Gärten bietet das Vorziehen von Gemüse noch einen weiteren Vorteil

  • Gemüse wächst zunächst sehr langsam. Von der Aussaat bis zur kräftigen Jungpflanze vergehen oft sechs Wochen. In dieser Zeit kann der begrenzte Platz auf den Beeten von anderen Pflanzen genutzt werden.

Rein technisch ist das Vorziehen nicht weiter schwer, das Problem ist mehr das ständige "daran denken" müssen. Während ausgewachsene Pflanzen im Beet sich nach einem kurzzeitigen Wassermangel schnell wieder erholen sind vertrocknete Jungpflanzen für immer verloren.

Informationen über Keimtemperatur und den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat finden sich auf dem Samentütchen. Wenn es Zeit und Temperatur erlauben, erfolgt die Aufzucht am besten im Freien.

 

Die im Video gezeigt Aussaat in Schalen eignet sich besonders für Salate. Pflanzen aus der Kohlfamilie sowie Rote Beete und Spinat haben empfindliche Wurzeln und werden deshalb besser in die am Ende gezeigte Mulitopfplatte gesät. Nicht im Video zu sehen aber sehr empfehlenswert: Ein Minigewächshaus, darin behält die Erde zuverlässig ihre Feuchtigkeit.

Aussaat in Einzeltöpfen empfiehlt sich vor allem für Gemüse, dass stark wächst und lange im Aussaatgefäß bleiben muss: Das sind hauptsächlich Südgemüse wie Tomaten, Paprika, Zucchini und Kürbis.

 

Irgendwann will das vorgezogenen Gemüse auch ins Beet.


Mini-Gewächshäuser

Nichts erleichtert die Aussaat so sehr wie ein Mini-Gewächshaus. Die Abdeckung sorgt für ein gutes Mikroklima. Bereits in einem ganz einfachen Gewächshäuschen bleibt die Feuchtigkeit gut erhalten. Die größte Gefahr für die Saat - das Austrocknen - wird so deutlich minimiert.

Noch einfacher geht es mit Gewächshäusern, die über ein Wasserreservoir verfügen. Dabei steht die Saatschale selbst auf einer Matte. Diese Matte ragt in das Wasserreservoir. So bleibt die Matte und mit ihr die Erde feucht, für gut ein bis zwei Wochen! Besonders komfortabel: Saatschalen mit Unterteilung, sogenannte Multitofplatten. Hier wächst in jeder Kammer ein Pflänzchen heran. Beim Umsetzten in Beet bleiben die Wurzeln ungestört und die Jungpflanzen wachsen deutlich besser an.

Mit dieser Saatschale habe ich gute Erfahrung gemacht: Die Schale selbst ist in Einzeltöpfe unterteilt und dabei selbst noch ziemlich klein, etwa so groß wie ein DIN A4 Blatt. Die meisten Multitopfplatten sind für Gärtnereien ausgelegt und somit viel größer. Die Selbstversorgung mit Wasser funktioniert mit dieser Schale ganz ausgezeichnt. Da ich die Erde vor der Aussaat bis in die tiefen Schichten anfeuchte muss ich zwei bis drei Wochen kein Wasser nachfüllen. Wichtig war mit außerdem, dass die Schale langlebig ist. Diese hier ist bis auf den Deckel sogar Spühlmachienen fest.



Direktsaat ins Beet

Wer sich das aufwendige Vorziehen ersparen will, kann die meisten Gemüse auch direkt ins Beet säen. Ausnahmen sind Tomaten und anderes südländisches Fruchtgemüse, das erst Mitte Mai ins Freie darf und ohne Vorkultur ab März in unseren Breiten nicht mehr reif wird. 

Bei neu Angelegten Beeten ist die Direktsaat jedoch schwierig: im Boden sind oft noch eine Menge Unkrautsamen sowie Steinchen und Erdklumpen. Außerdem ist der Humusgehalt oft noch nicht hoch genug. In dieser Erde finden die Sämlinge keinen Halt.

Für Gärtner, die viele Schnecken haben, ist die Direktsaat Zeitverschwendung. Nahezu alle frisch gekeimten Sämlinge sind bei Nacktschnecken äußerst beliebt. Ausnahme ist der Feldsalat.

Das Video zeigt wie die Direktsaat im Garten funktioniert. Nicht zu sehen aber eine empfehlenswerte Ergänzung, besonders in neu angelegten Beeten: Die Saatrillen 1 bis 2 cm tiefer ziehen und mit Blumenerde oder reifem Kompost füllen. Vor der Aussaat gut anfeuchten, anschließend den Samenkörnern entsprechend die Saatreihen mit Blumenerde abdecken.


Schlechtes Saatgut

Wenn die Saat nicht aufgeht, kann es auch an schlechtem oder altem Saatgut liegen. Das kommt wesentlich öfter vor, als man denkt. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, eine Keimprobe durchzuführen: Dafür ein feuchtes Küchenpapier auf einen Unterteller legen, mit Samen bestreuen und mit Klarsichtfolie abdecken. Das Papier muss unbedingt feucht bleiben. Nach wenigen Tagen sollten sich die ersten Keimlinge zeigen. Noch einfacher funktioniert der Test mit einer Keimbox. Tut sich nichts oder keimen nur wenige Samen, ist das Saatgut nicht mehr ausreichend keimfähig. Auf den meisten Samentüten ist vermerkt, wann das Saatgut abgefüllt wurde und wie lange es haltbar ist, meist etwa drei bis vier Jahre. Je älter das Saatgut, um so schlechter die Keimrate. Bei mir keimt Saatgut im letzten Haltbarkeitsjahr oft schon nicht mehr. Wenn möglich kaufe ich Saatgut nur im Abfülljahr und im Jahr danach.

Gartenalltag

Das Heranziehen von Jungpflanzen außerhalb des Beetes hat bei mir einen sehr hohen Stellenwert. Für mich der größte Vorteil: Solange die jungen Pflänzchen auf dem Balkon stehen, beanspruchen sie keinen Platzt im Beet. Und der ist in meinem kleinen Garten immer Mangelware. Ganz abgesehen davon das ich wegen der Schnecken schon viele Ausfälle bei der Direktsaat hatte.

Die Gartensaison beginnt bei mir im März: Die ersten Jungpflanzen, Kopfsalat und Kohlrabi, ziehe ich nicht selbst. Im Frühjahr werden überall Setzlinge angeboten, und mit den kurzen Tagen im Februar habe ich es noch nie geschafft, kräftige Jungpflanzen zu ziehen. Die einzige Ausnahme ist der rote Rettich, der völlig problemlos im düsteren Februar auf der Fensterbank heranwächst. Im März geht es dann richtig los mit dem Gemüsekindergarten. Paprika und Tomaten ziehe ich in einem Minigewächshaus heran. Da diese Pflanzen eine hohe Keimtemperatur benötigen eignet sich dafür nur ein gut geheizter Raum. Die Samen lassen sich viel Zeit, bis die ersten grünen Blätter sichtbar werden.  In dieser Zeit bleibt das Gewächshaus geschlossen. So haben die Pflanzen ein günstiges Mikroklima und der Gießaufwand hält sich in Grenzen. Für Tomaten und Paprika verwende ich sterilisierte Aussaaterde, da sich in dem warmen, feuchten Klima sonst schnell Schimmel bildet. Wenn die ersten Blätter gut entwickelt sind, kommt der Deckel weg, da die Pflanzen in dem Treibhausklima sonst zu schnell wachsen. Gleichzeitig bekommt jede Pflanze ihren eigenen Topf mit ganz normaler Blumenerde. Die Pflänzchen wachsen von nun an sehr schnell und brauchen ausreichend Nähstoffe. Ebenfalls auf der warmen Fensterbank ziehe ich Zucchini und Kürbis, aber erst im April, da diese Gemüsearten sehr schnell keimen und heranwachsen. Ein Minigewächshaus beschleunigt die Keimung um wenige Tage, ist aber eigentlich überflüssig. 

Alle Südländer kommen ab Ende April/ Anfang Mai zunächst nur tagsüber auf den Balkon zum Abhärten. Nach und nach nehmen sie die frei werdenden Plätze von frühen Salaten, Kohlrabi und Radieschen ein.

Alle anderen Gemüse wie Salat, Brokkoli oder Mangold, vertragen etwas Frost und wachsen deshalb bei mir von Anfang an im Freien. Zu diesem Zweck steht auf meinem Balkon ein Regal, dass nur früh morgens von der Sonne beschienen wird. Morgen-oder Abendsonne ist für Jungpflanzen ideal, in heißer Mittagssonne verbrennen sie regelrecht.

Große Ernte im kleinen Gemüseagrten
Die Pflanzen warten auf einen freien Platz im Beet

 

Oft ist im Beet noch kein Platz frei, obwohl die Jungpflanzen schon bereit stehen. In dem Fall erhalten die Pflänzchen einen größeren Topf mit nährstoffreicher Erde und ziehen auf ein sonniges Regalbrett um. So kann ich noch mal ca. zwei Wochen überbrücken. 

Ab Mitte Juni wird es in meinen Beeten deutlich leerer. Dann säe ich oft direkt ins Beet. In meinen ersten Gartenjahren  hatte ich mit der Direktsaat kaum Erfolg. Inzwischen ist meine Bodenstruktur aber sehr viel besser, und bei einfachen Kulturen wie Salat und rote Beete klappt die Direktsaat recht gut. Zumindest im Sommer, wenn alles schnell wächst. Allerdings sind die Ausfälle bei Direktsaat immer noch deutlich höher als bei der Jungpflanzenanzucht: Verirrt sich nur eine hungrige Schnecke in mein Beet, ist von den Sämlingen am nächsten Tag nichts mehr zusehen! An heißen Sommertagen verbrennen die zarten Pflänzchen auch schnell. 

 

Richtige Aussaaterde verwende ich nur für die Tomaten, da sie lange unter einem geschlossenen Deckel leben. Alle anderen Samen kommen in ganz normale Blumenerde.