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Buchvorstellung:

Slowflowers

 

Als mir vor einigen Jahren das Buch der amerikanischen Flowerfarmerin Erin Benzakein in die Hände fiel, stand für mich sofort fest: im nächsten Leben möchte ich auch eine Blumenfarm betreiben! Und in diesem Leben werde ich einen Teil meines Gemüsegartens für den Schnittblumenanbau nutzen! Seitdem lese ich alles zu dem Thema, was ich finden kann. Doch während sich unter den zahlreichen Obst -und Gemüseanbau Ratgebern die Regale durchbiegen, gibt es nur eine Handvoll Autoren, die zum Thema Schnittblumen schreiben. Fast alle Titel sind nur auf Englisch erhältlich.

 

So war meine Vorfreude groß, als der Haupt Verlag ein Buch zum Thema Schnittblumen-Anbau ankündigte. Ganz wunderbar: dieses Buch stammt von einer ursprünglich in Leipzig ansässigen Gärtnerin. Meine Hoffnung: Anbau Tipps für Arten und Sorten, die hier erhältlich sind und gut gedeihen, denn längst nicht alles, was in England oder Amerika empfohlen wird lässt sich hier umsetzen. Außerdem hoffe ich auf den ein oder anderen Ratschlag, den ich noch nicht kenne. Und: Ich liebe es einfach zu lauschen, wenn passionierte Gärtner aus dem Nähkästchen plaudern!

 

 

 

Inhalt:

Slowflowers richtet sich an alle, die gern eigene Schnittblumen anbauen und verarbeiten möchten. Dabei geht es nicht darum, hier und da eine Blume für die Vase zu schneiden: viel mehr werden Blumen in separaten Beeten angebaut, einzig und allein mit dem Ziel, sie zu ernten. Alles natürlich streng biologisch. Die Autorin, studierte Landschaftsarchitektin mit eigener Schnittblumengärtnerei, lässt uns an ihrem Gartenjahr teilhaben.

 

Laut Klappentext richtet sich das Buch an Garteneinsteiger und Blumenliebhaber.

 

Noch ein Hinweis zum Untertitel:„Wilde Blumengärten und ungezähmte Bouquets“ - was dieser Untertitel mit dem Inhalt zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Die Blumen wachsen in Reih und Glied, brauchen ein Stützsysthem, außerdem empfiehlt die Autorin, jährlich eine Bodenanlyse ins Labor zu schicken - „wild“ ist das allenfalls im Vergleich mit einem holländischen Treibhaus.

 

Mein erster Eindruck:

Was mir beim ersten Durchblättern sofort auffiel war die schöne, übersichtliche Gestaltung und logische Gliederung. Das Buch beginnt mit einem allgemeinen Teil, weiter geht es mit den vier Jahreszeiten jeweils unterteilt in die anfallenden Arbeiten, die blühenden Blumen und einer Anleitung für ein jahreszeitliches Blumenbouquet bzw. ein Gesteck. Jede Jahreszeit hat für Überschriften und Infokästen eine eigene Farbe, so dass man sich sehr schnell zurecht findet. Die empfohlenen Blume belegen jeweils eine eigene Doppel-Seite mit Infos und Foto für sich allein. Der Text ist in viele kurze Abschnitte mit Zwischenunterschriften unterteilt, alle samt informativ und leicht verständlich geschrieben. Selten habe ich mich in einem Gartenbuch so gut zurechtgefunden! Dazu noch künstlerisch wertvolle Bilder, die man so in einem Ratgeber nicht erwarten würde. Selbst vergleichbar langweilige Motive wie Werkzeuge oder pflanzende Hände werden schön in Szene gesetzt.

 

 

Details

Wie bei allen Ratgebern so werden auch bei „Slowflowers“ einige Themen ausführlicher behandelt als andere: Insgesamt werden nur recht wenige Blumen vorgestellt, pro Jahreszeit nur ca. 5 sehr einfach zu kultivierende Arten. Diese Beschränkung ist für Einsteiger sicherlich ein Segen – ich weiß noch, wie schwer es mir im ersten Jahr fiel, mich auf eine kleine Auswahl fest zu legen. Wer aber schon Erfahrung mitbringt wird die ein oder andere Lieblingssorte vermissen. Schwerpunkt bei den Blumenportraits ist ganz klar der richtige Erntezeitpunkt, der für die Haltbarkeit einer Schnittblume die entscheidende Rolle spielt. Zu diesem Thema habe ich in „Slowflowers“ sehr hilfreiche Abbildungen gefunden, die mir manch eine schnell verwelkte Blume erspart hätten. Besonders ausführlich und gut nachvollziehbar waren auch die Anleitungen für die floralen Projekte. Nicht zu vergessen der Anhang mit Literatur und Einkaufsempfehlungen.

 

Vermisst habe ich dagegen Angaben über den Pflanzabstand, die Erntedauer sowie den Nährstoffbedarf. Hinweise dazu finden sich zwar im allgemeinen Teil, die individuellen Angaben für die einzelnen Blumen fehlen jedoch komplett. Da für Schnittblumen andere Werte als für Zierbeete gelten, lassen sich die fehlenden Informationen auch nicht auf Samentütchen oder in allgemeinen Ratgebern nachlesen.

 

Was mir persönlich aber am meisten gefehlt hat: Sortenempfehlungen der Autorin, denn nicht alle Sorten einer Art sind gleichermaßen als Schnittblumen geeignet. Außerdem: Fast alle Schnittblumenanbau – Bücher kommen aus England und Amerika, wo es ein viel breiteres Angebot an Saatgut gibt. Die darin empfohlenen Samen gibt es in Deutschland nicht - dank Brexit und sonstigen Handelsbeschränkungen auch nicht zu bestellen! Etwas Ausführlichkeit über hier erhältliche Sorten wären deshalb sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene hilfreich gewesen.

 

 

Fazit:

Allgemein:

Übersichtlich, informativ, schön, sachlich! Wer sich als Anfänger einen ersten Überblick zum Thema Schnittblumen Anbau verschaffen möchte, wird das Buch sehr zu schätzen wissen.

 

Persönlich:

Wie erhofft konnte ich den ein oder anderen Hinweis mitnehmen. Nähkästchengeplauder gab es leider gar nicht, ebensowenig die erhofften Sortenempfehlungen. Trotzdem: weil es so schön ist und sich mit meinem Lieblingsthema beschäftigt, habe ich das Buch gern gelesen.

 

Blick ins Buch:

Beim Verlag kannst du einen Blick ins Buch werfen.

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