Was hilft gegen Nacktschnecken?

Wer versucht, in einem Schnecken reichen Garten Gemüse anzubauen, versteht bald, wie das Böse in den Menschen kommt: Überzeugte Pazifisten gehen Abend für Abend mit einem Messer bewaffnet in den Garten und spießen genussvoll Nacktschnecken auf; engagierte Bio-Gärtner streuen Schneckenkorn, egal wie giftig, egal wie qualvoll für die Schnecken, Hauptsache, es wirkt!  Damit es mit uns nicht so weit kommt, sollten wir uns Gedanken über die Nacktchnecken machen, bevor wir mit dem Gemüseanbau beginnen. Am besten testet man erst mal, wie groß das Schneckenproblem ist. Dazu braucht man ein Gemüsepflänzchen, das man bereit ist, zu opfern. Gut geeignet ist ein Töpfchen Basilikum aus dem Supermarkt. Das Töpfchen stellen wir an einem regnerischen Abend da hin, wo wir unser Gemüsebeet planen. Wie sieht es am nächsten Morgen aus? Nur noch ein paar Stängel und Schleimspuren? Willkommen in der Welt der Gärtner! Wer trotzdem einen Gemüsegarten anlegen will, sollte unbedingt (!!!) die unten genannten Schutzmaßnahmen treffen!

Falls das Basilikum noch unversehrt ist: am besten das Töpfchen noch ein paar Tage stehen lassen. Wird das Basilikum nach und nach aufgefressen, gibt es nur wenig Schnecken. Dann reicht meist eine der genannten Schutzmaßnahme.

Die Woche ist vorbei, und niemand hat sich für das Basilikum interessiert? In dem Fall kann man gleich mit dem Umgraben beginnen. Aber bedenke: Manchmal gibt es nur keine Schnecken, weil bisher das passende Nahrungsangebot gefehlt hat.



Was wirklich hilft

Die drei wichtigsten Maßnahmen gegen die Nacktschnecken

1. Der Wüstenstreifen

Nacktchnecken lieben es dunkel und feucht. Am liebsten verstecken sie sich tagsüber unter dicht wachsenden, Schatten spendenden Pflanzen. Beliebt ist z.B Efeu. Hier haben die Nacktschnecken ihr zu Hause, und von hier gehen sie jede Nacht auf Nahrungssuche. Um den Schnecken das Leben schwer zu machen, sollten so wenig dicht bepflanzte schattige Ecken im Garten sein wie möglich. Besonders wichtig: In unmittelbarer Nähe der Gemüsebeete sollte am besten gar nichts wachsen, auch kein Gras. Ideal ist ein "Wüstenstreifen" rund um die Beetanlage, am besten mit Splitt bedeckt. Denn Schnecken kriechen nur ungern über freie Flächen und meiden alles was spitz ist. Je größer der Garten, umso breiter der Streifen. Reicht in kleinen Gärten der Platz nur für einen schmalen Streifen, sollte das Augenmerk darauf gerichtet sein, möglichst im ganzen Garten keine schattigen Verstecke anzubieten, besonders im Frühjahr. So konnte ich in meinem Garten die Schneckenpopulation drastisch reduzieren, indem ich im Frühjahr konsequent allen Efeu am Boden zurückschneide. In einem großen Garten wird das nicht möglich sein. Deshalb sollte der Wüstenstreifen mindestens einen Meter breit sein.

Wer keine Splitt im Garten haben möchte, legt einfach einen Streifen aus nackter Erde an. Die Erde muss unbedingt feinkrümelig gehalten werden, damit die Schnecken sich nicht etwa in Erdspalten verkriechen. Viele Gemüsegärtner träumen von einem romantischen Durcheinander, indem Blumen und Gemüse wild durcheinander wachsen: Leider funktioniert das nur in sehr schneckenarmen Gärten! Wer viele Schnecken hat, sollte sich lieber mit barocker Strenge anfreunden, in die sich der Wüstenstreifen gut integrieren lässt. So können auf dem Wüstenstreifen beispielsweise Obstspaliere wachsen.


2. Schneckenzäune

Schneckenzäune gibt es in verschiedenen Formen und aus verschiedenen Materialien. Mit diesen Zäunen werden Gemüsebeete eingefasst und die Hersteller versprechen damit eine für Schnecken unüberwindlich Barriere.
Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Schneckenzäune, die durch ihr Material wie Kupfer oder Wolle Schnecken abhalten sollen sind recht preiswert, haben aber nur eine sehr eingeschränkte Wirkung. Den Kupferzaun habe ich selbst probiert und ja, eine gewisse Wirkung war zu sehen. Während die ungeschützten Setzlinge am Tag nach der Pflanzung schon alle weg waren, wurden die Pflänzchen hinter dem Kupfer erst nach und nach gefressen. Ich konnte mich also in aller Ruhe verabschieden... . Wer nur sehr wenig Nacktchnecken hat, kann es also mit einem Kupferzaun versuchen, alle anderen brauchen härtere Bandagen. Gute Erfahrungen habe ich nur auf der Terrasse gemacht, mit Kupfer umwickelten Kübeln. Eine Sache ist beim Kupfer noch zu beachten: Dieser Zaun entfaltet seine geringe Wirkung nur, wenn sich auf dem Kupfer bereits Grünspan angesiedelt hat. Also lasst den Zaun eine Weile im Garten liegen oder zieht ihn einmal durch Lötwasser.

Teuer, aber deutlich wirkungsvoller ist der Schneckenzaun aus Zinkblech. Dieser Zaun hat eine spitz nach außen gebogene Kante, die die meisten Schnecken nicht überwinden können. Die meisten, nicht alle! Denn anders als vielfach behauptet bietet auch dieser Schneckenzaun kein Rundum-Sorglos Paket. Ich schätze mal, dass der Zinkzaun ca. 95 bis 98 % der Schnecken von einem Besuch im Gemüsebeet abhält. An feuchten Abenden kriechen aber auch gern mehrere Hundert Schnecken durch den Garten. Wer viele Schnecken im Garten hat und nur mit dem Zaun arbeitet, wird deshalb jeden Morgen ein paar Schnecken aus dem Gehege fischen müssen. Anders in Kombination mit dem Wüstenstreifen: Hier schaffen es wirklich nur noch die ganz hart-gesottenen Schnecken ins Beet. Oft wächst das Gemüse wochenlang ungestört. Treten Fraßschäden auf, ist der Übeltäter meist schnell eingefangen.

3. Einsammeln

Der Schneckenzaun steht, der Wüstenstreifen ist angelegt, nun müssen noch die Schnecken innerhalb der Festung eingesammelt werden. Das ist leichter gesagt als getan. Meist reicht zwar eine abendliche Jagd aus, um die großen Schnecken einzufangen, aber was mit den vielen, vielen kleinen? Diese kleinen Nacktschnecken sind oft nur einen Zentimeter groß und dunkelbraun, also auf dem Boden so gut wie nicht zu sehen. Zum Vorschein treten sie meist erst in der Salatschüssel, da sie sich mit Vorliebe mitten im Salatkopf verkriechen. Aus diesem Grund versuche ich, die kleinen Schnecken zu dezimieren, auch wenn sie keinen allzu großen Schaden anrichten.

Gegen die Minischnecken können die altbekannten Methoden eingesetzt werden: Schneckenkorn, Bierfallen und Einsammeln.

Zum Schneckenkorn: Ich benutze ausschließlich Ferramol, ein umweltverträgliches Schneckenkorn auf Eisenbasis. Gegen ausgewachsene Schnecken richtet dieses Korn zwar nicht allzu viel aus, aber auf kleine Schnecken scheint das Korn doch seine Wirkung zu haben. Besonders im zeitigen Frühjahr, wenn das Nahrungsangebot ansonsten noch klein ist.

Die Bierfalle: Dafür einen Joghurtbecher oder ähnliches in das Beet eingraben. Abends wird der Becher zu zwei Dritteln mit frischem Bier gefüllt. Der Duft soll Schnecken magisch anziehen, die sich dann voll Begierde auf den Becher stürzen und so im Bier ertrinken. Vor diesen Fallen wird aber auch immer wieder gewarnt, da sie Schnecken aus der ganzen Nachbarschaft anziehen. Ich habe mit dieser Bierfalle allerdings keine einzige Schnecke gefangen, warum auch immer.

Zuletzt noch zum Schnecken einsammeln: Einfach mit einer Taschenlampe bewaffnet abends in den Garten gehen und jede Schnecke, die man findet in einen Eimer werfen. Keine Frage, eigentlich eine sehr sinnvolle Methode, die besonders in Stadtgärten die Anzahl der Schnecken wirklich deutlich dezimiert und deshalb im ganzen Garten angewendet werden sollte. Wären da nicht zwei Probleme: Zum einen findet man abends im Dunkeln kaum die kleinen Schnecken, außerdem stellt sich nun die Frage: Wohin mit den 300 Schnecken im Eimer? Alle die sich nicht scheuen die Schnecken zu töten finden in jedem Gartenforum massenhaft Tipps zu diesem Thema. Von mir nur zwei Hinweise: Aus ökologischer Sicht spricht nichts gegen das Töten der Nacktschnecken. Im Garten plagt uns vor allem die spanische Wegschnecke, die aus Südeuropa eingewandert ist. Da sie hier kaum natürliche Feinde hat vermehrt sie sich überproportional und verdrängt die heimischen Arten. Wer seine Schnecken politisch korrekt umbringen möchte findet in dem Buch "Schnecken im naturgemäßen Garten" Hintergrundwissen über schützenswerte Arten. Alle die sich für das beliebte Durchschneiden der Schnecken entscheiden sollten wissen: Nacktschnecken sind Kannibalen. Die Kadaver ihrer Artgenossen locken weitere Schnecken an.

Als Alternative zum Schnecken-Umbringen bietet sich das Einsammeln der Gelege im Herbst an. Das bringt zwar nichts gegen den akuten Befall, hilft aber besonders in Stadtgärten die Schneckenpopulation im nächsten Jahr deutlich zu reduzieren.

 

Gartenalltag

Mein erster Garten war von betonierten Höfen umgeben und deshalb nicht sehr schneckenreich. Der Schneckenzaun aus Zinkblech hielt fast allen Angriffen stand: Zwölf Jahre hatte ich diesen Garten, und in der Zeit haben sich vielleicht drei Schnecken in mein Gemüsebeet verirrt. Nach meinem Umzug wurde alles anders. Im neuen Garten (ca. 90 m²) konnte man nach Regen vor lauter Schnecken kaum treten! Meine neuen Gemüsebeete habe ich gleich wieder mit dem Zaun umrandet, diesmal aber mit deutlich weniger Erfolg: Jeden Abend und jeden Morgen fischte ich eine Handvoll Schnecken aus dem Beet. Eine Schnecke konnte ich sogar beim Zaun-überkriechen beobachten. Die meisten Gemüsesetzlinge haben die Angriffe zwar überlebt, aber die Direktsaat von Möhren war fast unmöglich. Meine Versuche, die Schneckenpopulation mit Ferramol (umweltfreundliches Schneckenkorn) zu reduzieren brachten keinen sichtbaren Erfolg.

Nach diesem etwas frustrierenden Anfang habe ich dann den ganzen Garten ins Visier genommen: Wie in vielen Stadtgärten so gab es auch bei mir jede Menge Efeu - ein ideales Schneckenversteck, weshalb ich ihn im Herbst bodentief abgeschnitten bzw. ganz entfernt habe. Außerdem ging ich auf Eiersuche. Wer einmal die Lieblings- Plätze der Schnecken in seinem Garten ausfindig gemacht hat, wird überrascht über die vielen Gelege sein! Zusätzlich hackte ich alle Beete gründlich durch, auch im Ziergarten, damit die Erde feinkrümmelig ist und die Schnecken keine Erdspalten zum Verstecken oder für die Ablage ihrer Eier finden.

Im Gemüsegarten habe ich ebenfalls noch einmal aufgeräumt: Der Schneckenzaun umrandet jetzt nicht mehr die einzelnen Beete, sondern das ganze 3 x 6 Meter große Gemüseareal. Außerhalb des Zauns verläuft ein ca.40 cm breiter Streifen, auf dem niedrige Obstspaliere wachsen.  Ansonsten lasse ich meinen Wüstenstreifen im Frühjahr unbepflanzt. Ab Ende Mai setzte ich ein paar Sommerblumen und nutze den Streifen als Schnittblumenbeet. Die Sommerblumen setze ich mit viel Abstand. Auf keinen Fall darf sich ein Dickicht bilden! Geeignet sind vor allem Blumen, die nur kleine Blätter bilden, z.B. Kornblumen oder Cosmen, auch Wicken, die am Zaun hochranken. Durch den regelmäßigen Schnitt bleibt alles schön luftig und offen. Innerhalb des Schneckenzauns liegt bei mir ein weiterer 40 cm breiter Streifen, der mit Kies bedeckt ist. Von dort pflege ich meine Beete. Einmal angelegt, ist das ganze sehr pflegeleicht und sieht hübsch aus.

Inzwischen haben sich die Nacktschnecken aus meinem Garten weitgehend verabschiedet. Die abendliche Schneckenjagd, früher Teil meiner Gartenroutine, fällt inzwischen meistens aus: Es macht einfach keinen Spaß mehr, wenn man keine einzige Schnecke im Gemüsebeet findet! Geblieben ist mir nur das Problem mit den Minischnecken, aber ganz ohne Schnecken wäre es ja kein richtiger Gemüsegarten mehr!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Doro (Montag, 05 Juni 2017 14:53)

    Es gibt neben der sehr lästigen Spanischen Wegschnecke ja auch noch einheimische, erwünschte und förderungswürdige Schnecken-Arten. Beim Zerstören der Gelege im Herbst stellt sich mir jetzt die Frage, wie ich die "Guten" von den "Bösen" unterscheiden kann. Wer weiß etwas?