Tomatenexperimente im Sommer 2019


Bisher stand mein Tomatenanbau unter dem Motto: Hauptsache sichere Erträge – Hauptsache, keine Braunfäule. Doch diesen Sommer hat sich einiges geändert: Die Braunfäule ist dank Spritzungen mit Magermilch momentan kein Problem (mehr dazu später). Da unsere netten Nachbarn mich ihren Garten nutzen lassen habe ich mehr Platz, und vor allem: Im Frühjahr fiel mir das wunderbare Buch „Tomatenlust“ in die Hände, das mich zu Experimentieren inspiriert hat:

 

"Gießen ist das schlimmste, was man Tomaten antun kann!"

Zitat aus "Tomatenlust" von Ute Studer

Eine immer wiederkehrende Warnung: Tomaten bloß nicht verwöhnen! Wenn sie nicht gegossen werden, entwickeln sie ein kräftiges Wurzelwerk, bleiben dadurch gesund und liefern besonders schmackhafte Früchte. Da ich es klasse fände, wenn es denn so wäre – keine Arbeit, keinen Ärger mit der Braunfäule – wollte ich ausprobieren, was an dieser These dran ist. Als Versuchskaninchen habe ich eine Wildtomate gewählt. Als Standort dient ein Tomaten-freundliches Plätzchen vor einer Mauer im Zierbeet. Da an dieser Stelle mal ein Komposthaufen stand, dürfte der Boden sehr nährstoffreich sein. Auf jeden Fall ist die Bodenstruktur sehr schön locker und über die warme Mauer zum anlehnen dürfte die Tomate sich auch freuen. Zweimal habe ich mit Flüssigdünger gegossen, ansonsten bin ich hart geblieben! Auch an den ganz heißen Tagen mit über 40 C° gab es kein Wasser!

 

Das Ergebnis: Die Tomate ist tatsächlich beeindruckend gesund. Noch beeindruckender: Sie sah auch an den ganz heißen Tagen frisch und munter aus und ließ kein einziges Blatt hängen. Aber: jetzt, Mitte August hängt noch keine einzige Tomate an der Pflanze! Offensichtlich hat die Tomate ihre Energie ganz in die Bildung eines Wurzelwerks investiert, für Früchte blieb da nichts mehr übrig. Da ab Mitte September kaum noch Sonne in meinen Garten kommt, wird es wohl auch nichts mehr mit einer Ernte. Schade, wäre so schön gewesen… .

 

Ein anderer Tipp in „Tomatenlust“ hat sich dagegen bestens bewährt: Tomaten, die unter einem Dach wachsen, schräg einpflanzen. So, dass die Wurzeln außerhalb des Daches eingegraben werden und dadurch Regenwasser abbekommen. Die Tomaten bilden dann mehr Wurzeln und können sich deutlich besser mit Regenwasser selbst versorgen. Auf diese Weise habe ich meine Tomaten unter dem Dach eingepflanzt und maximal zwei Mal pro Woche gewässert. Diese Tomaten sind ebenfalls sehr gesund, tragen außerdem aber auch viele schöne Früchte.

 

Sortenvielfalt

Lange Zeit habe ich nur Phantasia und Philovita (beide F1 Hybriden) im Garten sowie Tumbing Tom auf dem Balkon angebaut. Nicht gerade aufregende Sorten. Aber weil ich nur Platz für eine Handvoll Tomatenpflanzen hatte, war mir vor allem eines wichtig: Gute Erträge und eine gute Widerstandsfähigkeit gegen die Braunfäule.

 

Dieses Jahr fühle ich mich Dank der 50m² zusätzlicher Gartenfläche im Nachbargarten wie ein Großgrundbesitzer und in „Tomatenlust“ werden so viele interessante Sorten vorgestellt...Also: Zeit zum experimentieren! Im Garten habe ich zwei neue Lieblingssorten für mich entdeckt: Die recht bekannte Black Cherry und die weniger bekannte Indigo Pear Drops. Beide wachsen unter einem Dach absolut gesund, liefern richtig gute Erträge und schmecken sehr fruchtig. Die Sorte „Sacher“ schmeckt mir noch besser, liefert aber extrem wenig: Bei mir vielleicht 5 Tomaten über den Sommer. „Zuckertraube“ und „Haubners Vollendung“lieferten ebenfalls keine befriedigenden Erträge. Ich dünge eher sparsam, vielleicht hätten diese Sorten einfach mehr Futter gebraucht.

Balkon Tomate
Diese Tomate werde ich weiter vermehren, weil sie so schön ist
Tomate Lizzano F1
Lizzano F1 trägt reichlich
Gelbe Tomate
Hier ist der Ertrag doch etwas zu gering

Für den Balkon habe ich mir ein Tütchen „Balkontomaten“ von Lilatomate gekauft. Geht unbedingt mal auf die Internetseite, falls Ihr die noch nicht kennt. Super Tomatenfinder und toller Shop! Die Tomatenmischung für den Balkon würde ich mir allerdings nicht mehr kaufen. Denn in der Samenmischung gibt es keine Möglichkeit etwas über die potentiellen Erträge zu erfahren. Und die lassen doch teilweise sehr zu wünschen übrig. An der gelb gestreiften Schönheit reiften nicht mal eine Handvolle Tomaten, bei den anderen sah es nicht viel besser aus. Im Geschmack waren mache Sorten mehlig, andere schön saftig, aber wirklich umgehauen hat mich keine. Allerdings sahen die bunten Tomaten auf meinem Balkon sehr hübsch aus. Die flauschige mit den gestreiften Früchten werde ich weiter vermehren, weil sie was besonderes ist. In weiser Voraussicht hatte ich noch eine sichere Sorte mit guter Wiederstandkraft gegen die Braunfäule pflanzt: Lizzano F1. War geschmacklich o.k. schön fruchtig, die Schale vielleicht etwas hart. Der Ertrag war dafür sensationell. Sie fruchtet seit Anfang Juli und zeigt bis jetzt noch keinerlei Anzeichen für die Braunfäule. Die Mischung „Balkontomaten“ bekam schon vor den ersten Früchten Anzeichen von Braunfäule, wurde aber Dank Spritzung mit Magermilch wieder gesund! Womit ich beim letzten Thema bin:

 

Es gibt eine Menge Hausmittel gegen Braunfäule und andere Pilzkrankheiten. Probiert hatte ich bisher Schachtelhalm und Knoblauchbrühe. Beide Male war der Erfolg kaum sichtbar. Ganz anders bei der Magermilch: Tomatenpflanzen unter freiem Himmel mit gut sichtbaren Anzeichen der Braunfäule wurden wieder ganz gesund. Auch bei Weintauben war der Erfolg schnell sichtbar. Die Gurken wurden zwar nicht mehr ganz gesund, der falsche Mehltau breitet sich aber anders als sonst nur sehr langsam aus, die Ernte ist bisher nicht beeinträchtigt. Magermilch ist als Mittel gegen Pilzkrankheiten scheinbar noch nicht lange in Gebrauch, denn in Gartenbüchern findet man den Hinweis kaum, und auch im Internet gehen die Meinungen über Wirkung und Anwendung weit auseinander. So empfiehlt Dr.Google mal eine Verdünnung von 1:1 mit Wasser, mal liegt das Verhältnis bei 1: 10. Oft wird von H-Milch abgeraten, da die Wirkung angeblich auf Mikroorganismen der Milch beruht, die in der H-Milch nicht mehr aktiv sind. Die Milch sollte so wenig Fett wie möglich erhalten, am besten 0,3 %. Ich habe aber auch mit 1,5 % iger H-Milch gute Erfolge erzielt. Ich verdünne ca. mit der fünffachen Menge Wasser und spritze an drei aufeinander folgenden Tagen. Bei erneuten Anzeichen von Pilzbefall spritze ich wieder drei Tage lang. Diesen Sommer hatte ich zwei Sprühperioden. Mit einer Handsprühflasche lassen sich allenfalls Jungpflanzen bearbeiten. Besser: eine Sprühflasche zum Aufpumpen. So können die Blätter auch gut auf der Rückseite besprüht werden.

 

Ein angenehme Nebeneffekt: Seit ich mit Milch sprühe, ist auch der Befall mit Wanzen stark zurückgegangen. Die Reiswanze war diesen und letzten Sommer eine große Plage. Sie saugt an Tomaten und Paprika so dass die Früchte ganz trocken werden und nicht mehr schmecken.

 

Nächstes Jahr...

… werde ich wieder neue Sorten probieren. Allerdings nicht mehr in dem Maß wie dieses Jahr. Gut die Hälfte der Anbaufläche soll wieder für „sichere“ Sorten reserviert werden. Bei den unbekannten liefern doch viele nur eine Probierportion. Habt ihr Sorten Emfehlungen? Welches sind eure Lieblinge?

Tomaten Anbau ohne Gießen will ich auch noch einmal versuchen, diesmal mit einer Sorte, mit der ich in unserem Garten bereits gute Erfahrungen gemacht habe. Habt ihr schon mal eine Tomate ohne Wassergaben großgezogen?

 

Außerdem bin ich gespannt, ob die Magermilch weiterhin so gut wirkt. Dieses Jahr war ja trocken und warm und somit tomatenfreundlich. Habt Ihr schon Erfahrung mit der Magermilch? Oder vielleicht mit anderen hausgemachten Spritzmitteln? Und krabbeln bei euch auch überall Reiswanzen herum? Habt ihr mit irgendwelchen Gegenmaßnahmen gute Erfahrungen?

 

Zum weiter lesen:

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"Tomaten Lust" hat mir in der Tat Lust gemacht, neue Anbaumethoden und neue Sorten aus zu probieren. Ausführliche Besprechung