Gießen

 Auch beim Gießen kann man viel falsch machen, denn richtiges Gießen gleicht einem  Ritual, das erlernt werden muss. Die gute Nachricht dabei: Das von vielen Gärtnern praktizierte tägliche wässern ist völlig überflüssig. Bis Mai muss in der Regel überhaupt nicht gegossen werden.

Zunächst einmal sollten wir darüber nachdenken, wie wir unser Gemüse gesund erhalten. Gesundes Gemüse schickt seine Wurzeln möglichst tief in die Erde. Das erhöht die Standfestigkeit, auch kann sich Gemüse mit einem gut entwickelten Wurzelsystem besser mit Nährstoffen aus der Erde versorgen. Gießen wir täglich, wird unser Gemüse faul und bildet nur im oberen Bereich Seitenwurzeln. Wozu auch in die Tiefe vordringen, wenn man mit Nahrung übergossen wird?! Richtiges Gießen ist also eher eine Hilfe zur Selbsthilfe. Das Gemüse soll seine Wurzeln so ausbreiten, dass es selbst Wasser findet.

Nun zu unserem Gießritual, bei dem es hauptsächlich darum geht, das Wasser möglichst tief in den Boden zu versenken: 

  • an sonnigen Tagen morgens vor zehn Uhr gießen
  • gießen am Abend ist auch möglich, fördert aber Pilzkrankheiten
  • nie in der Mittagshitze gießen, das Wasser verdunstet zu schnell
  • falls der Boden noch nicht gemulcht ist, sollte vor dem gießen gehackt werden
  • jeder m² erhält anschließend 15 bis 30 Liter Wasser
  • dabei mit dem Schlauch oder der Gießkanne immer auf den Wurzelbereich zielen - die Blätter brauchen kein Wasser!
  • ggf. wird anschließend frischer Mulch aufgetragen

Das ideale Gießwasser ist Regenwasser. Wasser aus der Leitung sollte möglichst eine Weile stehen und sich erwärmen. Einmal in der Woche gießen nach diesen Regeln reicht meistens aus.

Wichtig: Diese allgemeinen Gießregeln gelten nur für Gemüse, dass auf dem Boden wächst! In Hochbeeten läuft das Wasser viel schneller ab, deshalb muss öfter gegossen werden. Kästen und Kübel sind überhaupt zu klein, um Pflanzen zu erziehen: hier muss an heißen Tagen bis zu zwei mal täglich gegossen werden.

Gartenalltag

Je nach Witterung beginne ich mit dem Gießen etwa ab Mitte Mai. Mein Garten ist leider zu klein für eine Regentonne, und um Wasser aus der Leitung im großen Stiel anzuwärmen fehlen mir die Gefäße, kurz: ich gieße mein Gemüse direkt mit dem Gartenschlauch, und bisher hat es sich darüber noch nicht beschwert. Mein Gartenschlauch ist mit einem Brausekopf bestückt, da ein satter Wasserstrahl den Boden verdichtet. Den Brausekopf halte ich bei jeder Pflanze direkt in den Wurzelbereich und zähle dabei langsam bis fünf. In meinem Gemüsegarten mit ca. 10 m² Beetfläche dauert das Gießen so knapp eine halbe Stunde, deshalb ist Samstag morgen immer mein Gießtag. Da mein Gemüsegarten ohnehin bis 12.00Uhr im Schatten liegt, nehme ich es mit dem Gießen vor zehn Uhr nicht so genau.  Regnet es gar nicht oder wenig, gieße ich auf diese Weise einmal pro Woche. Liegt der letzte Starkregen erst wenige Tage zurück, fällt das Gießen ganz aus. Ausnahmen sind nur die sogenannten Begleitkulturen, also Gemüse, das nur für recht kurze Zeit im Beet steht. In meinem Garten sind das Radieschen, Kohlrabi und vor allem Salat. Diese Pflanzen kommen mit der wöchentlichen Wassergabe bei sonnigem Wetter nicht aus, je nach Temperatur erhalten sie ein bis zwei extra Wassergaben pro Woche.