Möhre (Karotte) - Aussaat, Anbau und Pflege

Anleitung zum Anbau von Karotten im kleinen Garten: Die Theorie

Schwierigkeit: In Gefäßen oder im Hochbeet wachsen Möhren recht unproblematisch. In frisch angelegten Beeten, egal ob normal oder Tiefbeet, ist der Boden in den ersten Jahren oft noch nicht locker genug. Außerdem müssen Möhren direkt gesät werden, und die Keimlinge sind bei Schnecken äußerst beliebt. Möhren, die ebenerdig wachsen, brauchen zu dem Schutz vor der Möhrenfliege.

Von der Aussaat zur Ernte: Möhren können je nach Sorte und Witterung von Februar bis Juli direkt ins Beet gesät werden. Drei bis vier Monate später sind sie erntereif.

Hier weitere Details über Möhren allgemein und über die Aussaat.

Anbau von Möhren im eigenen Garten
Möhren
  • Familie: Doldenblütler; Standort jährlich wechseln
  • Standort: sonnig oder halbschattig
  • Nährstoffbedarf: Mittelzehrer; wichtiger als der Nährstoffgehalt ist eine lockere (!!!) Bodenstruktur.
  • Pflanzabstand: im normalen Gemüsebeet 5 cm in der Reihe von Möhre zu Möhre und 20 cm zwischen den Reihen;  im Hoch- oder Tiefbeet sowie in Gefäßen 3-5 cm in alle Richtungen
  • Saattiefe: ca. 1-2cm
  • Pflege: normal; außerdem Schutz vor der Möhrenfliege erforderlich; gute Bodenpflege unbedingt (!!!) erforderlich; Anbaumethode beachten; Möhren leicht anhäufeln, um bittere grüne Köpfe zu vermeiden.
  • Schnecken: die frisch aufgegangene Saat ist bei Schnecken extrem beliebt. Eine einzige Nacktschnecke kann bei einem nächtliche Besuch locker ein ganzes Saatbeet leer fressen!
  • Ernte: ernten wenn gewünschte Größe erreicht ist.
  • Topfkultur: gut möglich, allerdings muss das Gefäß tief genug sein. mehr

Möhren im Garten-Alltag

Tintenfische im Gemüsebeet

Möhren gelten als leicht zu kultivierendes Gemüse. Für unerfahrene Gärtner gibt es aber so viele mögliche Probleme, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll. In meinem ersten Möhrenjahr habe ich ca. 100 Möhren ausgesät und vielleicht 5  geerntet, im zweiten Jahr mit besseren Böden und etwas Erfahrung lag der Ernteerfolg schon bei 70, 80 %.  Es lohnt sich also, sich über den Möhrenanbau vorab Gedanken zu machen. Die Probleme beginnen schon bei der Aussaht:

  • Möhren müssen direkt ins Beet gesät werden und sind so allen Feinden im empfindlichen Jungstadium ausgesetzt.
  • Möhrensamen keimt sehr langsam und unregelmäßig.
  • Frisch gekeimte Möhren sind bei Schnecken sehr beliebt.

Damit die Möhren überhaupt eine Chance haben, mache ich ihnen den Start so leicht wie möglich. Mit zwei Methoden habe ich gute Erfahrungen gemacht:

1. Ich lasse die Samen einige Tage in feuchtem Sand quellen. Die Möhren beginnen im Sand bereits zu keimen und können so den Feinden schneller davon wachsen. Allerdings haben die Möhren so noch nicht den richtigen Abstand und sollten bald vereinzelt werden.

2. Ich verwende Saatbänder. Auf diesen Bändern sind die Möhren bereits im richtigen Abstand verteilt, sie müssen einfach in die Erde gelegt werden, vereinzeln ist nicht nötig.

In beiden Fällen ziehe ich die Saatrillen ca. zwei cm tief und streue anschließend Blumenerde oder reifen Kompost in die Rillen. Auf die Blumenerde kommen die vorgekeimten Samen zusammen mit dem Sand oder das Saatband, anschließend bedecke ich die Reihen wieder mit Blumenerde oder Kompost. So haben die Sämlinge einen guten Start, trotzdem wird es einige Wochen dauern, bis sich die ersten Möhren sehen lassen. Um den Platz zu nutzen, säe ich zwischen die Möhren noch Radieschen, ganz normal mit 5 cm Abstand. Sind nach drei Wochen keinerlei Möhren zu sehen, waren vermutlich die Schnecken am Werk. Das lässt sich bei Möhren extrem schwer kontrollieren, da die zarten Möhrenkeimlinge auch mühelos von Mininacktschnecken abgefressen werden können.

Haben die Möhren die Startschwierigkeiten gemeistert, lauern auch schon die nächsten Probleme. Die Möhren sollen jetzt wachsen und schöne, gerade Wurzeln bilden. Da tun sie aber nur, wenn der Boden richtig locker ist. Bei jedem Steinchen und jeder Verdichtung gabelt sich die Möhre. Wer im Hochbeet gärtnert wird hier keine Probleme haben. In frisch angelegten Gartenbeeten erhält der Boden dagegen oft noch zu viele Verdichtungen und zu wenig Humus: Im ersten Jahr sahen meine Möhren aus wie Tintenfische, mit einem Kopf und vielen dünnen Beinen, obwohl ich das Möhrenbeet mit der Grabgabel gut gelockert hatte. Was dagegen gut funktioniert, ist eine Vorkultur über den Winter mit Spinat.  Der Spinat hinterlässt einen wunderbar lockeren Boden, auf dem die Möhren sehr gerne wachsen.

Leider ist die Liste der Probleme hier noch nicht zu Ende, denn Möhren werden auch noch von der Möhrenfliege bedroht. Die Maden der Möhrenfliege fressen Gänge in die Möhren und machen sie so ungenießbar. Als Schutz pflanze ich resistente Sorten in Mischkultur mit Zwiebeln ( 3 Reihen Möhren im Wechsel mit zwei Reihen Zwiebeln). Bei mir haben diese Maßnahmen Erfolg, allerdings berichten viele Gärtner von starkem Fliegenbefall, trotz Zwiebeln und resistenter Sorten. Deshalb frage ich mich, ob meine Madenfreien Möhren vielleicht einen ganz anderen Grund haben: Mein Garten liegt inmitten eines Häuserblocks und die Möhrenfliege fliegt nur 60 cm hoch. Vielleicht gibt es diesen Schädling hier im Stadtgarten einfach nicht. Als Schutz vor der Möhrenfliege wird ansonsten der Anbau unter einem Insektenschutznetz empfohlen.

Anbauwert: Möhren aus dem Garten schmecken deutlich besser als Supermarktware, aber nicht unbedingt besser als Möhren vom Biomarkt. Als Gärtner braucht man eine gewisse Frusttoleranz. Im Zweifelsfall mit dem Möhrenanbau erst beginnen, wenn der Boden ein oder zwei Jahre bewirtschaftet wurde. In Kisten auf dem Balkon ist der Anbau bis dahin völlig problemlos.